Tagebuch der ELBESAIL 2018
28.07.2018
Heute starten wir zum 10. Mal hintereinander mit der Jugendgruppe Segeln im Tangermünder Wassersportverein zu einem Trainingslager in den Sommerferien. in 2009 und 2010 ging es zum gemeinsamen Training mit den jungen Seglern aus Rathenow und Wusterhausen nach Semlin. Seit 2011 geht es nun schon auf die von uns organisierten Wandersegelreisen die neben dem kennenlernen neuer Reviere regelmäßig intensive Trainingseinheiten für unsere jungen Segler bereithalten. Die Elbe von Meißen bis Gestacht, die großen Mecklenburgischen Seen, die Boddenlandschaft zwischen Ribnitz-Dammgarten, Zingst und Stralsund, aber auch unser Hausrevier, die Elbe und Havel zwischen Brandenburg, Parey und Havelberg haben die jungen Segler auf eigenem Kiel befahren. Inzwischen sind die Kinder mit denen wir 2009 unterwegs waren erwachsen geworden.
Viele von ihnen segeln heute auf eigenen Booten auf eigenen Kursen. Nichts kann Trainer und Betreuer wir uns mehr freuen. In diesem Jahr nun sollen es die Brandenburger Senn sein. Über den Beetzsee, den Breitlingsee und den Plauer See aber auch über den Elbe-Havel-Kanal und die Elbe nach Tangermünde soll es gehen. Dabei wird die Elbe wohl die größte Unsicherheit. Aktuell 1,11 m am Pegel in Tangermünde machen das befahren unseres schönen Flusses recht kompliziert. Ob wir diesen Törn wirklich unter den Kiel nehmen können wir erst kurz vorher entscheiden.
Nachdem wir am Donnerstag schon einige Boote verladen haben, wurde am Freitag die komplette Ausrüstung verladen. Heute und sind zwei Jollenkreuzer und zwei Motorboote im Hafen von Tangermünde gestartet. Nach 8 Stunden Fahrt und zwei Schleusen erreichten wir die SG Einheit Brandenburg in ihrem Hafen mitten in Brandenburg (Stadt). Parallel dazu starteten drei Trailergespanne von Tangermünde aus. gegen 17.00 Uhr trafen wir uns alle in unserem ersten Hafen in diesem Jahr. Zelte und Küche wurden aufgebaut und die tolle Gastfreundschaft genossen. Bei über 30 °C war dann aber die Luft aus raus. Mit dem Abendbrot kam dann der erste Schauer und wir durften spontan in den Jugendraum der SG Einheit einziehen. Mit dem Eintörnen in die Kojen kommt noch ein Gewitter mit ordentlich Regen. Alle Zelte sind ordentlich aufgebaut und halten dem Regen stand.
29.07.2018
Beim aufstehen ist noch alles feucht und die Luft ist angenehm. das erste Frühstück der ELBESAIL 2018 klappt als ob wir noch gestern dabei waren. Der Vormittag dient heute dem segelklar machen der Segelboote. Der Trailer ist mit allen Händen schnell entladen. Dann ist an den Booten noch das eine oder andere zu ergänzen. Natürlich wieder bei 30 °C und in der Sonne. Zum Mittagessen gibt es kalte Küche, abschließend eine kleine Pause und um 14.00 Uhr geht es zum anschwitzen auf Wasser.
Im Schlepp geht es über den Silokanal auf den Beetzsee. Dort angekommen wird zum ersten mal gesegelt. Natürlich ist der Wind fast weg. Mit Mühe kommen die Boote entlang an der Regattastrecke der Ruderer voran. Nach einigen hundert Metern änder wir unseren Plan und befehlen Kentertraining. Bei diesen Bedingungen die einzige sinnvolle Übung auf dem Wasser. Also klettern alle Kinder auf ihren Booten nach vorne an den Mast und hängen sich daran.
Sofort folgt das Boot dem Segler und kentert. Abkühlung für Mensch und Material. Aber dann schnell um das Boot geschwommen und an das Schwert hängen. Die Füße gegen den Rumpf gestemmt , schon dreht sich das Boot wieder nach oben. Wenn es wieder steht noch rein klettern. Auch das will gekonnt sein. Überflüssiges Wasser wird ausgeschöpft und das Boot wieder auf Kurs gebracht. Auch wenn das Kentertraining heute hauptsächlich der Abkühlung dient ist diese Übung sehr wichtig. Sollten bei viel Wind mal mehrere Boote gleichzeitig kentern, ist es wichtig, das die Segler das Boot sicher aufrichten und hinein klettern können. Wir Trainer können nämlich immer nur einem Kind helfen. Wenn aber alle klar kommen sind auch alle Kinder sicher. Unsere wichtigste Absicherung.
Nach drei Stunden auf dem Wasser sind wir dann wieder im Hafen. Nach dem die Boote sicher sind geht es erst mal zum Vesper in die Küche. Kurze Entspannung im Schatten und ab geht es wieder ins Wasser. Jetzt einfach nur Baden. Bei 27°C Wassertemperatur geht das mehr als eine Stunde. Inzwischen werden in der Küche Nudeln mit Tomatensauce zubereitet. Für 25 hungrige Segler und Betreuer. Wie immer ein Genuss. Jetzt freuen wir uns auf einen tollen Tag mit Sonne und Wind. Und auf eine halbwegs kühle Nacht.
30.07.2018
In der letzten Nacht soll es geregnet haben. Ich habe es nicht mitbekommen. Und auch alle anderen hatten keinerlei Probleme damit. Aber die Wiese vor unseren Zelten war wirklich feucht. Egal, angesagt sind 31°C und 3 Windstärken aus NordOst. Wir wollen segeln! Nach dem, wie immer leckeren Frühstückging es an die Boote. Auftakeln, die Boote zu Wasser bringen und für die Fahrt über den Silokanal die Schleppzüge zusammenstellen, und schon sind wir auf dem Beetzsee. Der Wind passt. Die Segler der Jugendgruppe Segeln im TWV e.V. nehmen die Schoten in die Hand und bringen die Boote auf Kurs. Wirklich interessant wird es für drei junge Damen die in diesem Jahr segeln lernen wollen. Sie sitzen auf dem Trainerboot und sehen erst einmal den anderen zu. Aber bald dürfen auch Sie in den himmelblauen Opti. Als erste Enna.
Sie hat Ihrem Papa übrigens auch die Farben für diesen Boot vorgegeben. Zuerst noch an Vor- und Achterleine steuert sie den Opti neben dem Trainerboot. Nach einigen Minuten werden die Hilfsleinen dann gelöst und Enna segelt zum ersten Mal allein. Mit sieben Jahren! Nach einer guten halben Stunde steigt dann Grete in den Opti.
Nur ein gutes Jahr älter segelt auch sie bald ohne Verbindung zum Trainerboot. Modern spricht man wohl von Wireless...:-) Grete segelt das Boot bis zur ersten Badepause. Auch eine wichtige Übung. Alle Boote werden hintereinander an das verankerte Betreuer-Boot gebunden. Und dann erst mal schwimmen. Mit Schwimmweste gewinnen auch die jüngsten Kinder Vertrauen in diesen wichtigen Ausrüstungteil. Keine Scheu vor tiefem Wasser ist eine wichtige Voraussetzung beim Segeln.
Bei über 30°C hilft das baden im 27°C kalten Wasser auch gegen die Wärme. Irgendwann steigen alle wieder in die Boote und wir segeln nach Radewege. Am Ufer neben dem Steg treffen wir unsere Landcrew die dort mit Döner´n für alle am Strand auftaucht. So gestärkt geht es wieder auf den See. Nach einigen hundert Metern geht es erst noch einmal ins Wasser. Und jetzt schlägt die Stunde von Ida. Sie segelt jetzt den himmelblauen Opti und macht das wirklich toll. Auch zum ersten Mal. Nach einer halben Stunde antwortet Sie auf die Frage ob sie noch einmal tauschen möchte lächelnd mit, Nein. Gegen 17.00 Uhr sind wir wieder im Hafen der SG Einheit. Als erstes wurden die Boote abgetakelt und schon für den Schlepp durch Brandenburg vorbereitet. Gleich danach schicken wir noch einmal alle ins Wasser, damit die Hitze etwas gemildert wird. Zum Abendbrot durften die Kinder noch Brote für die Trainer und Betreuer belegen. Ein Traum! Morgen wollen wir unserem Segelmacher einen Besuch machen und unser Biwak zum Seeschloss an den Breitlingsee verlegen.
31.07.2018
Heute ist ein Reisetag. Das bedeutet für die Crew, das nach dem Frühstück das Zeltlager abgebaut wird und die komplette Ausrüstung in den großen Anhänger, den Frank Theel aus Grieben jedes Jahr zur Verfügung stellt, verladen werden muss. Bei der achten ELBESAIL ist das aber eigentlich keine Herausforderung mehr. Die Ordnung im Anhänger ist klar und alle helfen mit. Mit einigen Anfeuerungsrufen für Hagen, der im Anhänger staut, wird die Sache sogar lustig. Wenn die Luft doch ein paar Grad kühler wäre. Wir wollen uns ja nicht beschweren, Sonne und Wind, da ist es was wir wollen. Aber 35°? im Schatten? Aber auf dem Wasser geht es ja. Und natürlich auch im Wasser, wo wir echt oft sind. Ab und an denken wir auch an die Lieben zu Hause, die bei dem Wetter arbeiten. Ach uns geht es doch gut! Da unsere Reise zu nächsten hafen heute nur gut eine Stunde dauert haben wir noch etwas anderes vor. Segelmacher Dirk "Charly" Gericke hat eine Werkstatt nur einige Bootsminuten entfernt. Er hat uns im Frühjahr unsere neuen Segel für die OK-Flotte gebaut. Heute wollen wir uns einmal ansehen wie solche Segel entstehen. Charly baut heute gerade einen Spinnaker für eine XY-Jolle aus blauem und weißen Segeltuch. 16 Bahnen Segeltuch müssen zugeschnitten und verklebt werden. Dabei konnten wir zusehen. Später muss Charly dann noch Verstärkungen aufnähen die Lieken (Segelkanten) einfassen, Ösen einbringen bevor der Kunde sein neues Segel nutzen kann. Aber vorher, gleich nachdem alle Bahnen verklebt sind, können wir die Form des Segels schon erkennen. Dazu bewegen wir es an den Ecken auf und ab, so dass sich das Segel im Luftstrom aufblähen kann. Eine gleichmäßige Form und keine Falte. So soll es sein.
Vielen Dank an unseren Segelmacher aus Brandenburg für die interessante Zeit in seiner Werkstatt.
Wind zu drehen. Das Segel wechselt die Seite , Enna setzt sich auf die neue Luvseite und dann lenkt sie nicht weit genug weg von Wind. Das Segel kommt zurück, lehnt sich an Ennas Schulter und steht back. Mit der natürlich jetzt einsetzenden leichten Böe kentert Enna und fällt ins Wasser. Aber kein Problem. Wir richten das Boot wieder auf und Enna klettert sofort hinein. Als das Wasser ausgeschöpft ist, kommt der 2. Versuch. und diesmal gelingt die Wende und Enna ist stolz auf dem neuen Bug unterwegs. Jetzt ist Jonny dran. Auch er segelt frei neben dem Trainerboot. Mit einsetzendem Wind kommt er beim steuern noch etwas durcheinander. Und bevor wir ihn wieder an das Trainerboot holen können passiert es. Eine Kursänderung vor den Wind, das Segel kommt über und trifft Jonny, der dabei über Bord geht. Aber wir sind ja direkt in der Nähe und hieven unseren jungen Segler sofort an Bord des Trainerbootes. Den Opti bringen wir längsseits und Enna schöpft ihn zum zweiten Mal aus. Nach dem ersten Schreck geht es auch Jonny wieder gut und am Ende erzählen beide stolz von ihrer ersten Kenterung. Aber für heute ist es erst einmal genug.
Die anderen haben Kurs auf Kaninchenwerder genommen und wollen dort baden. Also nichts wie hinterher. Ida segelt den Himmelblauen dorthin. Die Motorboote vor Anker, die Segelboote daran angebunden ist jetzt Badezeit.
Im tiefen Wasser spielen die Kinder zwischen den Booten schwimmend Verstecken. Auch eine Premiere. Natürlich alle mit ihren Schwimmwesten. Damit muss man nicht so viel schwimmen.
Aber das Vorwärts kommen braucht Kraft. Auch ein super Training. Nachdem wir um 18.00 Uhr wieder an Land kommen gibt es zum Abendbrot Pulled Pork - Burger.
02.08.2018
Auch heute herrscht wieder die Wetterlage von gestern vor. Am Vormittag noch durchwachsen mit Schauern und Gewitterneigung, nachmittags dann über 30 °C, bei Sonne und leichtem Wind. So sind wir auch heute wieder nach dem Mittag raus auf´s Wasser. Ziel war sie Spitze der Insel Kienwerder, hinter der die notwendige Badepause stattfand. Dann irgendwann zurück zur Havelmündung.
Bei leichten Winden mussten wir heute feststellen, dass die in diesem Jahr zu dünn besetzte Flotte der Begleitboote recht schnell in den roten Bereich kommen kann. Mit einem Motorboot und zwei Jollenkreuzern, die teilweise nur mit einer Person besetzt sind können wir nicht immer rechtzeitig eingreifen. Die Segler der Landcrew, die mit der Hansejolle unterwegs sind, können techn. Bedingt auch nur wenig helfen. Ohne das in irgend einer Form einem Teilnehmer Gefahr gedroht hat, mussten wir einschätzen, das diese Besetzung der Wassercrew nicht ausreicht. Als negativer Nebeneffekt dieser Situation kommt dazu, dass wir über die Woche versucht haben, die sich auftuenden Lücken in der Wassercrew durch die Freiwache der Landcrew aufzufüllen. Dadurch sind dort die notwendigen Erholungstage ausgefallen, was allgemein zu entsprechender Anspannung führt. Das alles kombiniert mit regelmäßigen Tages-Temperaturen weit über 30°C und mehreren Gewitternächten mit wenig Schlaf zwingt und zu Entscheidungen.
Heute Abend haben wir in einer der Situation entsprechenden, kontroversen Diskussion festgelegt, dass wir unser Glück nicht herausfordern werden. Wir werden morgen unsere Zelte abbrechen und den geordneten Rückzug antreten. Am Freitag werden wir die Jugendboote verladen, das Camp
abbauen und alles samt Crew nach Tangermünde bringen. Am Sonnabend folgen dann die ersten großen Boote über die Straße. Am Sonntag die letzten auf dem Wasserweg.
So ist die gemeinsame Zeit in diesem Jahr einen Tag kürzer. Den Bedingungen geschuldet ist das aber eine notwendige und auch vertretbare Anpassung .
03.08.2018
Nach dem Frühstück haben wir heute die Boote und das Camp abgebaut und alles auf die Anhänger verladen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen startete dann der erste Törn Richtung Tangermünde.
Während die Crew dann in Tangermünde die Ausrüstung verstaute, holten wir mit einem zweiten Törn den Bootsanhänger mit den Jugendbooten. Diesen haben wir heute nicht entladen, weil wir in 3 Wochen zu den Brandenburger Regattatagen eingeladen worden sind. Bei dem aktuell herrschenden Wasserstand der Elbe könne wir leider in Tangermünde mit den Jugendbooten nicht ins Wasser. So kann bis dahin auch kein Training auf dem Wasser stattfinden. Also hoffen wir auf gutes Segelwetter zu den Regattatagen.
04.08.2018
Mit kleiner Crew haben wir heute das Motorboot von Ralf und den 15er von Andre nach Plaue verholt, geslippt und nach Tangermünde gebracht.
05.08.2018
Heute holen wir die letzten Boote nach Hause. Zuerst slippen wir Stefans "Blue Pearl", die über die Straße nach Tangermünde fährt. "Iweißnix" und "W endeavour" steuern Stefan und Erik dann auf dem Wasserweg nach Tangermünde. Gegen 18.30 Uhr ist auch das vollbracht und so ist die Crew und die Ausrüstung auch nach dieser achten ELBESAIL wieder ohne jedes Problem im Heimathafen angekommen. Einzige Ausnahme. Der Motor von "Iweißnix" nahm sich kurz hinter Genthin eine Auszeit, die noch immer andauert. Da muss dann wohl mal der Schlosser dran.
Wir haben in diesem Jahr viel über uns und unsere Organisation gelernt und werden hier im kommenden Jahr konsequenter herangehen. Aber auch das gehört dazu. Wir dürfen für unsere Arbeit in Anspruch nehmen, das wir seit zehn Jahren mit unseren jungen Seglern durchaus interessante Trainingslager durchführen. Dabei ist es immer gelungen eine relevante Anzahl an jungen Seglern zu gewinnen. Allein dafür erhielten wir auf allen unseren Reisen immer hohe Anerkennung. Viel wichtiger ist aber, dass es dabei gelungen ist immer ohne nennenswerte Probleme wieder nach Hause zu kommen. Dafür gilt mein persönliche Dank allen Trainern und Betreuern aller ELBESAILS.
Und zum Abschluss noch eine besonders schöne Feststellung, die wir Trainer und Betreuer in der Auswertung der ELBESAIL 2018 machen konnten. Die jungen Segler der ELBESAIL 2018 haben während der ganzen Zeit eine tolle, homogene Gruppe gebildet, die immer zusammengehalten hat, die sich immer gegenseitig unterstützt hat und die uns Erwachsenen wirklich Freude gemacht hat. Dafür unser Respekt und unser herzliches Dankeschön an alle jungen Segler der ELBESAIL 2018.
Und auch die ELBESAIL 2018 wäre ohne die Förderung durch die Hugo Meyer-Nachfahren-Stiftung nicht so einfach zu organisieren gewesen. Dafür wie immer das größte Dankeschön der kompletten Crew der ELBESAIL 2018.