Tagebuch der ELBESAIL 2012
14.07.2012
Wie der interessierte Leser vielleicht noch weiß, sind die jungen Segler vom Tangermünder Wassersportverein e.V. im Sommer 2011 von Meißen nach Tangermünde gesegelt.
Nun, im Sommer 2012, steht der logische nächste Schritt bevor.
Am 22.07.2012 um 10.30 Uhr startet die ELBESAIL 2012 im Hafen von Tangermünde.
20 junge Segler aus Magdeburg, Arendsee und Tangermünde nehmen dann die 220 km Elbe nach Hamburg unter den Kiel. Betreut von den Mitgliedern des TWV und einigen Eltern geht es in sieben Etappen bis in die Hansestadt Hamburg. Der Binnenhafen Oortkaten im Hamburger Süden ist das Ziel der Reise. Bis dorthin gibt es wieder vorbereitete Lager in Räbel, Wittenberge, Lenzen, Klein Küren, Boizenburg und Tespe. Ein Transporter mit Anhänger wird die Ausrüstung von Lager zu Lager befördern.
Die 20 jungen Wassersportler segeln auf 13 Optimisten, 2 OK-Jollen und 2 420er-Jollen. Begeitet werden sie in 5 Booten von Ihren Trainern und Betreuern.
Höhepunkte auf der ELBESAIL 2012 werden neben den schönen Elbelandschaften sicher die Schleusendurchfahrt in Geesthacht und die Besuche in den beschaulichen Städten entlang der Elbe sein.
Ein großer Teil der jungen Segler wird am Ende dieser Reise von sich behaupten können, die Elbe von Meißen bis Hamburg befahren zu haben. Und das in einem 2,3 m langen Kindersegelboot.
Die Vorbereitungen sind nun fast abgeschlossen. Am Sonnabend ist für alle die Anreise nach Tangermünde geplant. Beim TWV werden dann die letzten Vorbereitungen getroffen und am Sonntag geht es endlich wieder los.
Die Teilnehmer der ELBESAIL 2012 freuen sich auf viele Schaulustige, die uns in Tangermünde verabschieden. Also, bis Sonntag den 22.07.2012 um 10.30 Uhr im Hafen Tangermünde.
22.07.2012
Wir sind wieder unterwegs!
Nach der ELBESAIL 2011 sind wir nun tatsächlich wieder auf der Elbe. Und die Flotte ist sogar ein wenig größer. Wir haben Segler aus fast ganz Sachsen Anhalt in der Flotte.
Nach der Vorbereitung, die natürlich wieder eine Gemeinschaftsproduktion vieler guter Geister war, konnten wir heute um 10.30 Uhr mit dem Startschuss aus der Konfettikanone des Tangermünder Karnevalsverein e.V. aus dem Tangermünder Hafen auf die Elbe starten. Besonders schön war, dass wieder viele, viele Tangermünder und Gäste uns vom Ufer her eine gute Reise wünschten.
Danke Tangermünde!!!
Bei, diesmal, wirklich bestem Segelwetter ging es von Tangermünde aus auf die erste Etappe.
Unser erstes Ziel war heute der Hafen von Arneburg. Im „Hafencafe“ Arneburg warteten Hähnchen¬- Nuggets mit Pommes und zum Nachtisch eine Kugel Eis auf uns.
Die ersten 15 km der Elbesail zeigten, das uns allgemein noch ein wenig die Gewöhnung an das lange Segeln fehlt. Der eine oder andere wurde so von Balu und Katrin mal auf den Haken genommen und ein Stück geschleppt, was für die jungen Segler eine kleine Pause bedeutet. Nach dem Mittagessen und einer ausgiebigen Pause für alle ging es dann auf die nächsten gut 15 km bis zum ersten Lager bei Räbel. Hier wartete schon unsere Landcrew auf uns. Jetzt ist das Abendbrot fertig und die jungen Segler sitzen an den Tischen und haben richtig Hunger. Davor waren die Bautoiletten, die und Ronald Bosse für heute mitgegeben hat, der Renner. Nach der langen Segelei hatte da jeder so sein Bedürfnis. Auf dem Weg nach Räbel haben wir heute 2 Gierseilfähren passiert. Die erste in Arneburg, die zweite in Sandau. Beide Fährmeister machten uns herzlich gern Platz, so dass die Passage jeweils ohne jedes Problem verlief. Danke an die Fährmeister in Arneburg und Sandau.
Wenn man dann mal etwas weiter segelt, stellt man auch fest was am Boot alles nicht so perfekt ist. So hatten wir heute auch zwei kleine Reparaturen zu machen, die sich beim normalen Training in Tangermünde nicht ankündigten. Aber das ist halt ELBESAIL. Mit vereinten Kräften haben die Betreuer alles im Griff behalten.
Jetzt werden wir unseren ersten Abend auf der Elbesail 2012 genießen. Die Sonne scheint, es ist warm und trocken. Soviel Luxus hatten wir in 2011 nur selten.
23.07.2012
Wir sind jetzt in Wittenberge auf dem Caravan- Platz direkt am „Fährhaus“. Gegen 17.30 Uhr haben wir hier angelegt und nach dem die Boote fest gemacht waren erst einmal ausgiebig gebadet. Das war wirklich nötig. Denn, heute war einfach Traumwetter. Ja, wir haben nichts anzubringen, was noch besser sein könnte. Das Frühstück zwischen Elbe und Deich bei Räbel wurde dezent von leichten Schleierwolken beschattet. Schon beim Ablegen gegen 10.00 Uhr hat die Sonne dann die Wolken vertrieben und einen angenehmen Wind aus südlichen Richtungen mitgebracht. Darauf haben wir nun rund 350 km gewartet. Also los. Die erste kleine Herausforderung war mal wieder eine Gierfähre. Diesmal die von Räbel nach Havelberg. Wie auch schon gestern hat uns der Fährmeister problemlos passieren lassen. Und nun war das Fahrwasser frei.
Endlich einmal freies Segeln mit passendem Wind auf der wunderschönen Elbe. Die Auenwälder grüßen in sattem Grün, ab und an stehen Schafe am Ufer und immer mal wieder winken uns Radfahrer vom Elberadweg zu. Beim Anlegen zur Mittagpause unterhalb von Gnevsdorf hatten alle irgendwie ein Lächeln im Gesicht. Zum Mittagessen ging es dann einige Meter über Land in das Storchendorf Rühstedt. Der Wirt im „Storchenkrug“ hat uns hier eine leckere Suppe mit Bockwurst bereitet.
Mal was ganz anderes als Pommes mit irgendwas.
Nach dem rund 15-minütigen Fußmarsch zurück zu den Booten ging es dann auf die zweite Hälfte der heutigen Strecke. Noch 17 km sind es bis nach Wittenberge. Der Wind hat sich mal eine Pause gegönnt, schickte uns aber ab und an einige kleine aber heftige Böen, die entstehen können wenn intensiv die Sonne scheint und die Luft über den Äckern entlang der Elbe aufheizt. Heute haben wir sogar eine klitzekleine Windhose gesehen, in der tatsächlich etwas Wasser in die Luft geschleudert wurde. Die daraus resultierende Bö hat dann auch den einen oder anderen Segler aus der Mittagsschläfrigkeit geweckt. Genau so hat es auch Richard getroffen, der aber erst im Wasser wirklich wach wurde. Aber kein Problem. Gelernt ist gelernt. Kaum dass es einer von den anderen gesehen haben konnte hatte er den Opti wieder aufgerichtet, war wieder eingestiegen, hatte das Wasser ausgeschöpft und war eigentlich froh über die Abkühlung, auch wenn sie ungewollt kam.
Auf den letzen Kilometern setzte der Wind dann immer mal wieder aus, so dass die Begleitboote anfingen die Segler auf den Haken zu nehmen. Unter der Eisenbahnbrücke, kurz vor dem Hafen Wittenberge kam der Wind dann wieder, und so konnten wir standesgemäß unter Segeln in Wittenberge anlegen. Da waren natürlich schon Anett, Beate und Thomas, die heute die Landcrew für uns waren. Sie hatten uns schon beim Mittagessen empfangen und jetzt war schon wieder unser Lager am Elbestrand bereitet. Natürlich waren Sie zwischendurch einkaufen und tanken.
Inzwischen ist das Abendbrot eingenommen, uns wurde ein kaltes Buffet unter einem Weidenbaum vorbereitet, und der Abend klingt bei untergehender Sonne so langsam aus.
Ein perfekter Tag eben. Jetzt freuen wir uns schon auf morgen. Da geht es nach Schnackenburg und Lenzen. Das Wetter soll halten und in unserer Wahrnehmung haben wir das auch verdient.
24.07.2012
Schon wieder gibt es Sonne zum Frühstück. Die Temperaturen steigen zuverlässig und Wind aus
süd-östlichen Richtungen. Ja das kann man einen Traum nennen. Heute hatten wie 29 km nach Lenzen auf dem Etappenplan.
Kurz nach 10.00 Uhr waren wir unterwegs. Der Wind trieb uns um die Kurven der Elbe, das sind hier Richtungswechsel von fast 180°. So kommt der Wind für uns zwischendurch auch mal von vorn. Aber grundsätzlich kommt er aus der richtigen Richtung und so sind wir schon gegen 01.00 Uhr zum Mittagessen in Schnackenburg. Hier sind wir im „Hafencafe Felizitas“ angemeldet, das uns Spagetti mit verschiedenen Saucen gekocht hat. Auf dem warmen Buffet kann sich jeder so viel nehmen wie er möchte. Super lecker. Da wir mit 20 km schon zwei Drittel der heutigen Strecke zurückgelegt hatten war jetzt etwas Zeit für einen kleinen Bummel durch das Städtchen.
Mittlerweile werden wir immer mehr wahr genommen. Immer wieder stehen Menschen am Land die uns zuwinken und fotografieren. In Schnakenburg hat uns auch ein Reporter der örtlichen Zeitung besucht und eine kleine Reportage mit vielen Bildern gemacht. Die letzen 9 km für heute haben wir dann kurz vor Lenzen noch einmal unterbrechen müssen. Der Zug ins Wasser war einfach zu stark. Und so hat Stefan als Bademeister eine Buhne ausgesucht in der alle anlegen und baden konnten. Gut eine Stunde gab es lustige Wasserspiele am Sandstrand. Reiterkampf hat sich dabei als der Renner erwiesen.
Aber auch der Sand am Strand hat immer noch seine Anziehungskraft. Ganze Stausysteme sind da in gemeinsamer Arbeit entstanden. Gegen 17.00 Uhr ging es dann auf die letzten 3 km nach Lenzen. Natürlich war das Landteam schon da. Nach einer Pause für Kinder und Betreuer wurde dann das Abendbrot bereitet. Danach sind unsere jungen Segler dann fast schon freiwillig in den Zelten verschwunden. Schon wieder ein perfekter Tag der zu Ende geht. Wir Betreuer haben uns auf einem der Begleitboote zusammengefunden und lassen den Tag noch einmal auf uns wirken. Kurz vor dem schlafen gehen konnten wir dann noch Beate zum Geburtstag gratulieren. Aber davon morgen mehr.
25.07.2012
Heute ist ein besonderer Tag für uns. Beate, eine der guten Geister dieser ELBESAIL hat heute Geburtstag. Aber nicht nur Sie. Auch Klemens, einer unserer jungen Segler aus Magdeburg. Er ist heute elf Jahre alt geworden. Natürlich gab es von alle Glückwünsche und sogar das eine oder andere kleine Geschenk. Für Klemens war es besonders schön, das sein Papa zum gratulieren vorbei gekommen ist. Zur Steuermannsbesprechung gab es dann noch ein kleines Ständchen für die beiden.
Der Tag war aber noch auf eine andere Art besonders. Heute lag die längste Etappe dieser ELBESAIL vor uns. Gute 50 km auf der Elbe abwärts, und das bei 30°C und leider ohne Wind.
Wir sind zwar unter Segeln gestartet, mussten uns dann aber dem Wetter beugen und die Segelboote auf den Haken nehmen um das Tagesziel zu erreichen. Der erste Zwischenstopp war heute in Dömitz, direkt an der Festung. Hier hat uns die Landcrew einen kleinen Imbiss vorbereitet. Anschließend ging es dann für alle in die Festung, die auch das Heimatmuseum von Dömitz beherbergt. In den Kasematten war interessantes zur Festung mit Ihren Verteidigungsanlagen zu sehen. Am wichtigsten war aber die Tatsache das die Gewölbe angenehm kühl waren. Beeindruck hat auch die Ausstellung zum Aufbau der Grenzanlagen an der Elbe zu Zeiten der DDR. Die Kinder konnten kaum verstehen was hier dargestellt ist. Dass es in modernen Zeiten nicht möglich war so wie wir von Ufer zu Ufer zu segeln ist schon sehr speziell.
Im Anschluss an die Festungsbesichtigung wurde erst einmal gebadet. Dann mussten wir wirklich weiter. Aber die Mittagshitze haben wir so gut überstanden. Bei Hitzacker gab es dann noch eine Eispause. Beate wollte uns auf Ihren Ehrentag einladen.
Um 21.00 Uhr hatten wir dann unser Etappenziel in Klein Kühren erreicht. Die Landcrew wartete schon mit Erbsensuppe, Linsensuppe und Würstchen auf uns. Das nach dem Essen jeder noch schnell sein Zelt aufstellen und das Nachtlager bereiten musste ist mittlerweile gar kein Thema mehr. Da der heiße Tag bei allen seine Spuren hinterlassen hat waren auch bald alle in ihren Kojen verschwunden.
Morgen soll der Wind zurückkommen, wenn auch aus nördlichen Richtungen. Egal, Hauptsache wir können wieder segeln.
26.07.2012
Dieser Tag war ein ganz normaler Tag. Sonne, um die 27°C, 2 Windstärken aus Nord, wir sind unsere Etappe von Klein Kühren nach Boizenburg natürlich gesegelt, haben ausgiebig gebadet und vor während und nach dem segeln unsere Mahlzeiten bekommen. Alles ganz normal eben. Die Zubereitung dieser Mahlzeiten ist dann aber etwas sehr besonderes. Wir sind 38 Münder, die morgens Kakao oder Kaffee möchten und natürlich was zum beißen. Mittags ein Restaurant am Elbestrand, das auf uns wartet und uns gegen kleines Geld abfüttert und abends wieder essen aus unserer ELBESAIL-Küche. Diese besteht aus zwei Camping-Gaskochern einigen großen Töpfen und Menschen, die keine Angst haben sich dieser Herausforderung in Ihrem Urlaub zu stellen. Täglich wird nach dem Frühstück der Proviant überprüft und an Hand der Einkaufsplanung festgestellt was tatsächlich beschafft werden muss.
Nachdem die Landcrew dann unser Lager komplett abgebaut hat, geht es in den Supermarkt zum Einkauf. Auf dem Weg muss natürlich auch noch Benzin für die Motorboote besorgt werden. Zum Mittag dann der Treffpunkt an der jeweiligen Gaststätte, wo uns die Landcrew am Ufer empfängt und uns zeigt wo wir am besten anlegen können. Das Mittagessen haben wir schon vor der Reise telefonisch bestellt.
Heute waren wir zum Beispiel im „Strandhaus“ in Stiepelse. Hier hatten wir Spagetti satt. Ein echter Geheimtipp. Anschließend gab es noch ein Eis für jeden aus der speziellen Eiskasse. Danke Nico und Beate! Wenn die Segler nach dem Mittagessen wieder abgelegt haben fährt die Landcrew dann zum nächsten Lagerplatz. Hier wird das Lager wieder aufgebaut. Alle Taschen und Zelte aus dem Anhänger. Die Tische und Bänke aufgebaut. Den Proviant sortieren und verpacken und natürlich schon wieder anfangen Abendessen vorzubereiten. Wenn wir Segler dann am Lager ankommen ist geklärt wo die Boote für diese Nacht liegen können, wo die Zelte stehen sollen und wo wir die sanitären Anlagen finden.
Nach dem Abendessen wird dann noch aufgeräumt, abgewaschen und alles für den kommenden Tag vorbereitet.
Damit die Segler unterwegs nicht hungern haben Katrin und Balu immer genügend leichten Proviant auf Ihrem Begleitboot. Natürlich Getränke in mehr als ausreichender Menge, Äpfel, Kuchen, Melone usw. Am Ende des Tages stehen für alle Betreuer weit mehr als 8 Stunden Arbeit auf der Liste, die aber natürlich nicht geführt wird. Katrin und Balu, Anett und Thomas, Beate und Burkhard, Silke, Jana und Nadine sind diese Menschen ohne Angst. Auch für sie war heute ein ganz normaler Tag. Stefan, Kathrin, Ingo und Conni und auch ich sind immer für die Kinder da. Aber als Besatzung auf den Begleitbooten tragen wir zwar die Verantwortung auf dem Wasser, aber gegen die Leistungen der jeweiligen Landcrew haben wir eine eher ruhige Aufgabe.
Jetzt sitzen wir in bei den Sportfreunden vom Bootsportverein Boizenburg, bei denen wir heute zu Gast sind, wir sind satt und müde und werden wohl bald in die Koje gehen. Morgen geht es nach Tespe. Dieses Mal nur 20 km.
27.07.2012
Heute war es sehr abwechslungsreich. Nach einer ruhigen Nacht im Hafen Boizenburg durften wir mal wieder feststellen, wir haben Sonne und Wind. Alles ist gut. Jetzt kann uns nicht mehr viel schlechtes Wetter passieren.
Also, Segel hoch und raus aus dem Hafen. Ein letztes Winken zu den Sportfreunden aus Boizenburg und los geht es auf die kürzeste Etappe dieser Reise. Auf der Elbe legt der Wind sogar noch etwas zu und wir sind mit Rauschefahrt unterwegs. Nach zehn Kilometern kommen wir nach Lauenburg. Hier gehen der Elbe-Lübeck-Kanal und der Elbeseitenkanal ab. Nach der Brücke, von der uns ein LKW per Hupe grüßt, gibt es jetzt etwas mehr Schifffahrt als bisher.
Aus dem Elbeseitenkanal kommen die Schiffe die ihre Fracht aus den Industriezentren Deutschlands nach Hamburg in den Hafen bringen. Bei der heutigen Steuermannsbesprechung war darum auch die Aufmerksamkeit gegenüber der Großschifffahrt ein wichtiges Thema.
Hinter Lauenburg wird die Elbe optisch breiter als bisher. Wirklich tief ist es aber nur im betonnten Fahrwasser. Entsprechen aufmerksam müssen wir navigieren. In Artlenburg gibt es dann die verdiente Mittagspause. Im „Gasthof Nienau“ werden wir mit Nuggets und Pommes verwöhnt. Da wir heute pünktlich im Hafen sein wollten wurde direkt nach dem Essen abgelegt und die nun nur noch 5 km bis nach Tespe unter den Kiel genommen. Wieder geht es mit passendem Wind zügig voran, so dass wir heute schon gegen 16.00 Uhr im Hafen Tespe waren. Hier wurden wir von den Sportfreunden des Segelvereins Tespe herzlich empfangen.
Die Zeit nach dem anlegen wurden dann erst einmal zum ausgiebigsten Baden auf dieser Reise genutzt. Bei dieser Gelegenheit haben wir auch unsere Boote einmal so richtig geputzt. Und dann ist es doch passiert. Zum Abendbrot kam das lange angekündigte Gewitter und hat uns den Staub von den Zelten gewaschen. Der erste Regen auf dieser ELBESAIL.Jetzt lässt der Regen schon wieder nach. Der Wetterbericht spricht von weiterem nächtlichen Regen, der aber gegen morgen aufhören soll und dann hoffentlich noch einmal perfektem Segelwetter Platz macht. Aber es ist eigentlich egal.
Kein Wetter dieser Welt kann uns dieser tolle Elbesail 2012 noch vermiesen. Aber vielleicht haben wir ja noch einmal Glück. Verdient hätten wir es. Morgen soll es durch die Schleuse Geesthacht gehen. Die nächste Premiere auf unserer langen Reise auf diesem schönen Fluss.
28.07.2012
Nach einer regenreichen Nacht begrüßt uns der Morgen in Tespe mit Sonne. Leider reicht die aber tatsächlich nur für das Frühstück. Schon die heute etwas umfangreicheren Vorbereitungen zum Ablegen müssen wir bei einsetzendem Sprühregen und böigem, nördlichen Wind erledigen. Aber wir sind ja nicht aus Zucker. Zum ersten Mal auf dieser Reise wird bei der Steuermannsbesprechung aber eine Kleiderordnung ausgegeben. Wo wir in den vergangenen Tagen nur mit leichtem Shirt und kurzer Hose unter der Schwimmweste unterwegs waren, werden heute Neoprenanzüge vorgegeben. Diese verhindern das Unterkühlen bei Regen und Wind. Wie geplant machen wir uns dann auf den Weg zur 6 km entfernten Schleuse Geesthacht. Kurz vor dem ablegen habe ich uns dort telefonisch angemeldet und vom Schleusenmeister das O.K. für unsere Passage erhalten. Leider zieht sich der Himmel immer mehr zu.
Auf der Elbe können wir kaum mehr 2-3 km weit sehen. Die Regenschleier behindern die Sicht schon erheblich. Da der Fluss aber nur einige hundert Meter breit ist, stellt die Orientierung kein Problem dar. Nach rund fünf km Schleppfahrt, die Jungen Segler sitzen dabei in Ihren Booten, kommen wir auf den breitesten Teil der Elbe, kurz vor dem Wehr in Geesthacht. In der Anfahrt auf den Schleusenkanal bekommen wir die Stärke des Windes deutlich zu spüren, hier wo er sich mehrere km ungehindert gegen die Strömung der Elbe stellen kann entstehen hohe Wellen. Als uns dabei ein Ausflugsdampfer, die „Lüneburger Heide“ aus Artlenburg überholt und eine Kreuzsee, also Wellen die gleichzeitig aus verschiedenen Richtungen kommen, produziert, merken wir, das diese Bedingungen unsere Ausrüstung überfordern. Also suchten wir Schutz im Hafen Geestacht, wo uns die Sportfreunde vom SVG selbstverständlich an Ihre Steganlage baten. Nach einer Lagebesprechung, in der wir die weitere Entwicklung der Wetters und die gerade gemachten Erfahrungen auswerteten, war nur noch eine Entscheidung möglich. Schweren Herzens musste ich der ELBESAIL-Crew mitteilen, dass wir den Versuch auf der Tiden-Elbe bis nach Oortkaten zu fahren heute abbrechen müssen. Die Risiken waren zu diesem Zeitpunkt einfach nicht überschaubar. Keine Frage: Safety First! Wir haben uns dann entschlossen die Segelboote in Geesthacht zu lassen und später per Achse abzuholen. Die jungen Segler konnten mit den Autos der Begleitcrew mit zurück nach Tespe fahren. Die 6 Begleitboote machten sich auf den Weg zurück zum Hafen Tespe, wo wir nun unseren Abschlussabend verbringen. Mittlerweile sind schon fast alle Abholfahrzeuge mit den Trailern da. Wie sind jetzt fast 50 Segler und Betreuer.
Ingolf, auch in Tangermünde immer unser Grillmeister, steht am Grill und sorgt für lecker Essen. Dazu gibt es verschiedene Salate, Baguette, Brot und alle notwendigen Getränke. Die Stimmung ist ausgelassen, alle sind gesund und stolz bis nach Geesthacht gekommen zu sein. Ein tolles Gefühl! Die Boote, die wir beim SVG gelassen haben sind schon verladen. Morgen nach dem Frühstück werden wir den Rest der Flotte auf die 10 Bootstrailer laden und dann gegen Mittag in die Heimat aufbrechen.
29.07.2012
Was für ein Glück! Es regnet! Was hätten wir uns geärgert, wenn wir heute passendes Wetter und Südwind für die Weiterfahrt nach Oortkaten gehabt hätten. So müssen wir nur die Boote bei Regen verladen. Aber auch das war bald geschafft.
Jeder fasst zu und so ist die ELBESAIL 2012 gegen Mittag bereit die Heimreise anzutreten. Es ist Zeit sich von den jungen Seglern und Betreuern aus Magdeburg und Arendsee zu verabschieden, die von hier aus direkt nach Hause fahren. Wir Tangermünder werden auch den letzten Teil dieser ELBESAIL im Konvoi zurücklegen. Nach rund 180 km Landtransport waren wir kurz nach 17.00 Uhr wieder im Bootshaus Tangermünde.
Alle Boote sollten jetzt wieder auf Ihren Platz, damit am kommenden Freitag ab 16.00 Uhr wieder unser normales Training stattfinden kann. Eine Aufgabe die noch einmal den gemeinsamen Einsatz aller Kräfte brauchte. Um kurz nach 20.00 Uhr war dann auch dieser letzte Akt geschafft und nun ist die ELBESAIL 2012 tatsächlich erfolgreich zu Ende gegangen. 24 junge Segler aus Sachsen-Anhalt haben umsorgt von 13 Betreuern zu Land und zu Wasser 198 km auf der Elbe zurückgelegt. Hochgerechnet auf die Boote waren das immerhin 4554 km! Von den 198 km Elbe sind wir rund 140 km wirklich gesegelt. Nur die Etappe am Mittwoch war leider nicht zum segeln geeignet.
Unseren angestrebten Zielhafen konnten wir am Sonnabend leider nicht erreichen, was aber in Seglerkreisen niemals ein Misserfolg sondern immer ein sinnvolle navigatorische Entscheidung ist.
Somit darf ich auch für die ELBESAIL 2012 einschätzen: Es war eine rundherum schöne, sichere und erfolgreiche Reise.
30.07.2012
Tangermünde. Gestern Abend ist die ELBESAIL 2012 zu Ende gegangen. In Tespe meinte ein Sportfreund etwas erstaunt, “…das ist ja eine logistische Meisterleistung“. Ja das war es. Diese Meisterleistung ist natürlich nur machbar wenn viele, viele Helfer da sind und sich einbringen.
Diese guten Geister der ELBESAIL seien hier einmal erwähnt.
Danke an die Landcrew!
Annet und Thomas Maron aus Arendsee, Silke Müller aus Kläden, Jana Konrad, Beate und Burkhard von Velsen aus Stendal und Nadine Wagner aus Tangermünde haben diesen aufreibenden Part übernommen.
Danke an das Verpflegungsboot!
Katrin und Balu (Jörg) Thieme aus Angern, Balu ist auch 2. Vorsitzender des TWV e.V., haben wieder das große, offenen Motorboot „Iweißnix“ gefahren, in dem Sie während der Etappen für die Versorgung der Segler gesorgt haben. Getränke, frischen Kaffee, mundgerecht geschnittenes Obst, Kuchen und vieles mehr hielten Sie bereit um die Segler und Betreuer bei Kräften zu halten.
Danke an die Begleitboote auf dem Wasser!
Stefan Theel auf Katrin und Balu´s „Tina“, Kathrin Beilfuß auf ihrer „Kahemara”, Conni und Ingo Januszewski auf ihrer Jolle „Fisch“ und immer ein Teil der Landcrew auf der Vereinsjolle des TWV „Stadt Tangermünde“ und auch ich auf unserer „W endeavour“ waren die Begleitboote die absicherten und schleppten.
Danke für die Ausrüstung!
Antje und Torsten Maaß stellten für „Stadt Tangermünde“ nicht nur Ihren Außenbordmotor sondern auch Ihren Bootstrailer zur Verfügung.
Mona Bethge und Kevin Maul halfen mit Ihrem Bootstrailer. Von Uwe Schulz bekam ich schon für die Planung entsprechendes Kartenmaterial.
Danke für den Transport der Ausrüstung!
Die Anhängervermietung Roloff stellte den Anhänger für den täglichen Transport der Ausrüstung für sehr kleines Geld zur Verfügung.
Danke für den Rücktransport!
23 Boote mussten wieder zurück in Ihre Heimathäfen gebracht werden. Dazu waren 10 Bootstrailer notwendig, die alle von privater Hand zur Verfügung gestellt wurden. Aber es braucht auch 10 Fahrzeuge mit Fahrer um diese zu bewegen. Allen die dazu Fahrzeuge, Anhänger beisteuerten oder als Fahrer halfen sei hiermit ein dickes Dankeschön gesagt.
Und zum Schluss, aber nicht zuletzt wieder zwei SUPERDANKESCHÖN!
Das ERSTE geht wieder an die Hugo-Meyer-Nachfahren-Stiftung, die diese Projekt wieder großzügig unterstützt hat. Ohne Ihre Unterstützung wäre vieles so viel schwieriger.
Das Zweite geht an die jungen Segler der ELBESAIL 2012. Für Euch haben wir das alles veranstaltet.
Ihr wart eine tolle Truppe junger Menschen, die dynamisch versuchen Ihre Grenzen zu finden. Natürlich kann es passieren, dass man seine Grenze dabei auch mal findet. Und das in seglerischer wie auch gesellschaftlicher Hinsicht. Wichtig ist es hinterher wieder aufzustehen und im Rahmen seiner Grenzen weiter zu machen. Das habt ihr alle geschafft. Darauf bin ich stolz. Darum freue ich mich schon auf unsere nächste gemeinsame Reise, wohin sie uns auch immer führen wird.